Ausstellungsprojekt Info-Box, Potsdamer Platz Berlin
von Markus Binner & Simon Starke

 

Unsere Idee — für die wir hiermit um Unterstützung werben — besteht darin, für einen Tag eine Kunstausstellung in der sogenannten Info-Box auf dem Potsdamer Platz, Berlin zu machen. Diese Ausstellung soll eigene Arbeiten zeigen, die auf vielfältige Weise Anknüpfungen oder Widersprüche zu der dort anzutreffenden Situation herstellen.

Da sind zum einen die mit Buchstaben, Schriften und Texten operierenden Arbeiten von Markus Binner. Diese präsentieren sich in den unterschiedlichsten Formen und Medien: Als Klappkarten, als Buch, als Drehkugelschreiber mit Sichtfenster, als Computeranimation auf dem Bildschirm als von Besuchern/Benutzern spielerisch selberzu betätigendes PC-Programm, als Schrift.

Zum anderen die Arbeiten von Simon Starke, Kleinserien und Objekte, die mit immer ähnlicher Herangehensweise aus ständig wechselnden Techniken entstehen: Designorientierte Zeichnungen, Knetplastiken, Stickereien auf Karton, anekdotische Fotografien, Bodenobjekte, Fahnen, Filzstiftmalereien.

Die Ausstellung soll in einer Art erzählerischem Stil gehalten werden, d. h. Unmittelbarkeit wird zugunsten distanzierterer Präsentationsformen zurückgenommen . Es soll quasi ein Bericht von bestimmter Kunstaktivität gegeben werden. Daraus ergibt sich auf einer Anschauungsebene eine subtile Anlehnung an das Präsentationskonzept der Info-Box.

Dort wird mit ebenfalls sehr unterschiedlichen Mitteln (Architekturzeichnungen, Modelle, Videofilme, Schauwände, interaktive Informationsprogramme, e.t.c.) gearbeitet, um den Besuchern Anschauungsmaterial über die geplanten Bauvorhaben und deren Träger (Daimler Benz, Sony, u.a.m.) zu bieten. Erzählungen von bestimmten Architekturaktivitäten. Angsichts des finanziellen und baulichen Volumens, des repräsentativen Anspruchs sowie des gesamten bautechnischen Maßnahmenumfangs überrascht mit welch großer Zurückhaltung dabei die technischen Medien eingesetzt werden.Eben dieser "Zurückhaltung" entsprechend soll der Charakter unserer Ausstellung angelegt sein.

Die Info-Box selber ist eine, trotz ihrer enormen Ausmaße, temporäre Architektur in der Anmutung eines schwebenden Containers über "Europas größter Baustelle". Sie dient, solange die Baumaßnahmen anhalten, als Werbe- und Informationsträger und steht anschließend zur Umfunktionierung und Weitervermietung frei. Sie wird von täglich durchschnittlich 3000 Besuchern aufgesucht. Die durch die Stelzenkonstruktion erhöhte Lage der Info-Box emöglicht diesen auch einen Überblick über große Teile des weitläufigen Baustellengeländes. Diesen Blick bietet u.a. auch der Raum, der zur Vermietung vorgesehen ist (siehe beigefügte Fax-Kopie).

Unser Interesse wäre es, diesen anzumietenden Raum während des Ausstellungstages sowohl für das tägliche Publikum, als auch für ein Kunstfachpublikum zugänglich zu machen. Damit eröffnet sich eine Kunst-im-öffentliche-Raum-Situation, die ebensoWichtig erscheint uns, daß wir als Hamburger, als Nicht-Berliner ein solches Projekt vorschlagen und angehen. Denn wir wollen ja nicht durch das Auftreten an diesem spektakulären Ort unsere Präsenz erhöhen oder die Werbewirksamkeit der prädestinierten Lage für irgendwelche berlinspezifischen Belange ausschlachten. Wir wollen einen Kunst-Fokus auf diesen besonderen Ort richten, ihn zeichenartig besetzen, eine Randbemerkung an die gegebene Situation kleben, eine aufgespannte Hintergrundfolie nutzen und einfach eine für alle interessante Ausstellungssituation schaffen.

So gesehen formuliert unsere gemeinsame Arbeit ein traditionell künstlerisches Thema: Das der Figur-Grund Fragestellung.

Den zentralen Begriff unserer Ausstellungskonzeption sehen wir in der Verschränkung. Verschränkung von Kunst- und Architekturpräsentation, dementsprechend Verschränkung von unterschiedlich motivierten Besuchergruppen, Verschränkungen von Proportionen, topografischen Bezügen, Darstellungsformen und Zwecken. Künstlerisches Arbeiten heutzutage betrifft nicht mehr nur das Kunstprodukt, sondern auch die Art seiner Vorstellung, seines Erscheinens. Wir unterbreiten mit dem hier vorgestellten Projekt eine Vorschlag für eine unaufdringliche aber eigen-artige und "gewitzte" Ausstellungsunternehmung.